Niemand muss sich vor dem NISG 2026 fürchten

Am 1. Oktober 2026 tritt das NISG (Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz) voll in Kraft. Der Gesetzgeber setzt damit die NIS-2-Richtlinie der EU um, mit dem Ziel, Europa resilienter zu machen. Beim CIS Compliance Summit mit über 300 Teilnehmern am 8. September in Wien beleuchteten Expertinnen und Experten die Auswirkungen auf heimische Unternehmen. Die klare Botschaft: Das Rückgrat einer NIS-Compliance ist eine Zertifizierung nach ISO 27001, die alle Anforderungen an die organisatorische Sicherheit erfüllt.

Auf dem Foto: Thomas Mann, Geschäftsführer, CIS Certification & Information Security Services GmbH und Philipp Amann, Leiter Digital Security, Europäische Zentralbank 

Cyberangriffe, hybride Kriegsführung und weltweite Konfliktherde – Europa und seine Unternehmen stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Mit dem NISG 2026, das in wenigen Wochen voll in Kraft tritt, sollen die heimischen Unternehmen resilienter werden. Das neue Gesetz ist ein Paradigmenwechsel: Cybersecurity wird damit zur regulatorischen Managementaufgabe. Die persönliche Verantwortung von Geschäftsführungen und Leitungsorganen stellt einen wesentlichen Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung dar: was einst ein reines IT-Thema war, ist nun Aufgabe des Managements. „Die NISG 2026 Compliance wird in der Öffentlichkeit viel komplexer dargestellt, als sie ist. In Wahrheit erfüllen Unternehmen, die nach ISO 27001 oder der EN 50600 zertifiziert sind, bereits jetzt einen Großteil der gesetzlichen Anforderungen. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern einfach bestehende Managementsysteme richtig adaptieren und nutzen“, sagte Thomas Mann, Geschäftsführer CIS Certification & Information Security Services GmbH, in seinem Eröffnungsvortrag. Zeitgleich mit dem NISG 2026 nimmt auch das Bundesamt für Cybersicherheit seinen Betrieb auf. Philipp Blauensteiner, Leiter Abteilung für Netz- und Informationssystemsicherheit, Bundesministerium für Inneres, erläuterte in seiner Keynote, welche Einrichtungen von Meldepflichten betroffen sind und wie die neue Prüfsystematik funktioniert. Dabei erläuterte er auch die neu geschaffene Möglichkeit, die Umsetzung von operativen und organisatorischen Risikomanagementmaßnahmen durch gültige Zertifikate nachzuweisen.

Dass konsequente Cyberhygiene und die Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen bereits einen Großteil der Anforderungen erfüllen, bestätigte Philipp Amann, Leiter Digital Security der Europäischen Zentralbank. Vor allem mit Blick auf KI, Cloudabhängigkeiten und Post-Quantum Cryptography sieht der Cybersicherheitsexperte Cyberresilienz als entscheidenden Faktor für Geschwindigkeit, Transparenz und die Anpassungsfähigkeit von Organisationen: „Wenn Cyberhygiene konsequent umgesetzt wird, ist Compliance in vielen Bereichen fast ein Nebeneffekt. Cyberresilienz entsteht künftig nicht durch mehr Checklisten, sondern durch Priorisierung, Messbarkeit und konsequente Operationalisierung. Automatisierte und zunehmend autonome Sicherheitsmechanismen sowie regelmäßige Übungen und eine enge Zusammenarbeit aller Unternehmensbereiche sind für die Cybersicherheit entscheidend“, so der Experte.

Jahrelange Resilienz: Vom Weltall zur Quantentechnik

Gemeinsam mit Thomas Panhofer, Manager Hardware System & Design Engineering Electronic Solutions bei Beyond Gravity Austria GmbH, machten die Teilnehmenden des CIS Compliance Summit einen kleinen Ausflug ins Weltall. Das Ziel: jahrelange Resilienz. In seinem Vortrag veranschaulichte der Experte unter anderem, wie gut BepiColombo, die erste europäische Mission zum Merkur, vorbereitet werden musste. Das Projekt startete 2000 unter Einsatz des damals aktuellen Windows98, beim Start der Sonde im Jahr 2018 kam Windows10 zum Einsatz – beendet wird die Mission erst 2028. Die Systeme müssen daher trotz technischen Fortschritts und geänderter Technologien durchgehend funktionieren. Resilienz beginnt mit den richtigen Annahmen und damit, mögliche Fehler bereits in der Entwicklung zu bedenken.

Wer nach diesem Prinzip handelt, muss sich vor neuen Technologien und disruptiven Veränderungen nicht fürchten. So ist beispielsweise seit 2019 klar, dass der Quantencomputer die Zukunft ist. Dass Europa – vor allem Österreich – eine maßgebliche Rolle in der Quantentechnologie spielt, veranschaulichte Wolfgang Lechner, Parity Quantum Computing GmbH, in seiner Keynote: „Die Frage ist nicht mehr, ob Quantencomputer die Welt verändern werden, sondern wann das passiert und wo die Wertschöpfung liegen wird. Europa hat im Gegensatz zu vielen anderen Hochtechnologie-Bereichen noch die Chance, vorne dabei zu sein.“ Für Cybersecurity spielt die Technologie eine entscheidende Rolle. Denn beispielsweise können mit dem sogenannten Shor Algorithmus alle bisherigen Verschlüsselungen geknackt werden. Deshalb sind die Entwicklung und der Einsatz von quantensicheren Algorithmen von Anfang an wichtige Bestandteile der Quantentechnologie.

Auf dem Foto v.l.: Philipp Blauensteiner, Leiter Abteilung für Netz- und Informationssystemsicherheit, Bundesministerium für Inneres; Wolfgang Lechner, Parity Quantum Computing GmbH; Thomas Mann, Geschäftsführer, CIS Certification & Information Security Services GmbH

Fazit: „Lasst euch zertifizieren!“

Gerade im Hinblick auf ein effektives Business Continuity Management sprach sich CIS Certification Geschäftsführer Thomas Mann dafür aus, den Aufwand für Unternehmen und Organisationen so gering wie möglich zu halten. Die Resilienz für Systeme sollte in jeder Unternehmens-DNA verwurzelt sein. Der Gastgeber strich vor allem auch die internationale Bedeutung von Regulatorien wie dem NISG 2026 hervor: „Cyberkriminalität kennt keine physischen Grenzen, sondern ist eine internationale Herausforderung. Heimische Unternehmen, die internationale Tochterfirmen haben, sollten deshalb gesamtorganisatorisch denken und nicht nur die österreichischen Vorgaben erfüllen. Für die nationale Rechtsprechung bilden internationale Normen wie die ISO 27001 eine solide Basis.“ CIS Certification nutzt mit ihren Auslandsgesellschaften in der Schweiz, Tschechien, Polen und Ungarn Synergien und führt NIS-Prüfungen und -Zertifizierungen nach den jeweiligen Landesbestimmungen durch. Denn eines war beim CIS Compliance Summit klar: Managementsysteme, Normen und Zertifizierungen decken nicht nur einen Großteil der gesetzlichen Vorgaben ab, sondern machen Organisationen und Unternehmen effektiv resilient.

Save the Date

Der nächste CIS Compliance Summit  findet am 7. September 2027 in Wien statt.