Wenn Hitze zur Cyberbedrohung wird

Warum Klimarisiken auf die Agenda jedes CISOs gehören

Extremwetterereignisse und häufigere Hitzewellen rücken als Bedrohung zunehmend in den Fokus – als ernstzunehmendes Risiko für die Verfügbarkeit kritischer IT-Systeme und damit für die Cyber-Resilienz von Unternehmen. Die eigentliche Gefahr liegt weniger in überhitzten Servern als in den Folgewirkungen: steigender Kühlbedarf in Rechenzentren, höhere Belastung der Stromnetze, mögliche Versorgungseinschränkungen und beschleunigte Alterung elektronischer Komponenten. Das kann genauso geschäftskritisch sein wie ein erfolgreicher Cyberangriff – mit Serviceunterbrechungen, Produktionsausfällen und Verstößen gegen regulatorische Vorgaben.

Das ist kein theoretisches Risiko.

Während der Hitzewelle im Juli 2022 in Großbritannien, als Temperaturen erstmals über 40°C stiegen, meldeten mehrere große Cloud-Anbieter kühlungsbedingte Ausfälle in ihren Londoner Rechenzentren. Betroffen waren unter anderem Compute- und Storage-Dienste, und das über mehrere Stunden hinweg. Für Unternehmen, die auf diese Dienste angewiesen waren, wurde die Wetterlage zu einem handfesten Verfügbarkeitsproblem, unabhängig von jeder Firewall. Auch in zwei führenden britischen Krankenhäusern fielen während der Hitzewelle 2022 Computer aus und folglich auch Operationen und fachärztliche Termine.*

Für CISOs stellt sich daher eine neue Frage: Ist das Unternehmen auf klimabedingte Betriebsstörungen genauso gut vorbereitet wie auf digitale Angriffe?

Verfügbarkeit ist mehr als Cyberabwehr

Informationssicherheit basiert auf den drei klassischen Schutzzielen Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Der letzte Aspekt wird meist mit Redundanzen, Backup-Konzepten oder DDoS-Schutz verbunden – doch auch physische Umweltbedingungen beeinflussen ihn entscheidend. Steigende Außentemperaturen erhöhen den Kühlbedarf erheblich, während Leitungen und Transformatoren bei Hitze an Leistungsfähigkeit verlieren. Unternehmen mit eigenen Serverräumen sollten prüfen, ob Kühl- und Notstromkonzepte auf Extrembedingungen ausgelegt sind. Nutzer von Colocation- oder Cloud-Diensten sollten hinterfragen, welche Maßnahmen ihre Dienstleister implementiert haben und wie resilient diese sind.

ISO/IEC 27001 liefert bereits den passenden Rahmen

Die gute Nachricht: Es braucht kein neues Managementsystem, die Anforderungen sind bereits etabliert. Die ISO/IEC 27001 fordert einen risikobasierten Ansatz, der ausdrücklich physische und umweltbedingte Gefahren einschließt. Konkret relevant sind unter anderem:

  • A.7.5 – Schutz vor physischen und umweltbedingten Bedrohungen
  • A.7.11 – Versorgungseinrichtungen (Strom, Kühlung, Wasser)
  • A.5.30 – IKT-Bereitschaft für Business Continuity

Diese Controls machen deutlich: Informationssicherheit endet nicht an der Firewall, sondern umfasst auch die Widerstandsfähigkeit der physischen Infrastruktur. Ergänzend fordert die ISO 22301 (Business Continuity Management), kritische Prozesse zu analysieren und Maßnahmen für außergewöhnliche Störungen vorzusehen. Hitzewellen und regionale Stromausfälle sind typische Szenarien für Business-Impact-Analysen und Notfallübungen.

NISG 2026 (NIS-2) erweitert den Blick auf Resilienz

Auch regulatorisch gewinnt das Thema an Gewicht. Artikel 21 der NISG 2026 Richtlinie verlangt von betroffenen Unternehmen ein Risikomanagement, das neben Cyberbedrohungen ausdrücklich Business Continuity, Krisenmanagement und physische Sicherheit umfasst. Extreme Wetterereignisse sind damit kein reines Facility-Thema mehr, sondern gehören explizit in die Risikoanalyse der Informationssicherheit.

Handlungsbedarf für Sicherheitsverantwortliche

CISOs sollten gemeinsam mit IT-Betrieb, Facility Management und BCM prüfen, ob bestehende Risikoanalysen aktuellen klimatischen Entwicklungen noch gerecht werden:

  • Kühlkapazitäten und Notstromkonzepte auf Extrembedingungen prüfen
  • Resilienz von Cloud- und Rechenzentrumsdienstleistern hinterfragen
  • Klimabedingte Ausfallszenarien in Notfallpläne und Krisenübungen aufnehmen
  • Lieferketten einbeziehen, da regionale Extremwetterereignisse auch Dienstleister treffen können

Fazit

Cyber-Resilienz bedeutet heute mehr als Schutz vor digitalen Angriffen. Klimarisiken gehören systematisch ins Informationssicherheits- und Business-Continuity-Management – die Werkzeuge dafür liefern ISO/IEC 27001, ISO 22301 und NIS-2 bereits. Entscheidend ist, sie konsequent auf eine sich verändernde Umwelt anzuwenden.

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